Anwaltsrobe in Augsburg und München – regionale Unpässlichkeiten

Das Augsburger Landgericht hatte sich gestern, am 09.06.2015 um die Tragepflicht von Anwaltsroben zu kümmern. Vorangegangen war ein eigentlich unnötiger Zwischenfall im Augsburger Amtsgericht.

Der Münchner Anwalt Norman Synek erschien am 10.11.2014 ohne Anwaltsrobe beim einem Zivilprozess im Augsburger Amtsgericht. Der dortige Richter war mit diesem robenlosen Auftritt nicht einverstanden und weigerte sich, die Verhandlung durchzuführen. Er setzte trotz heftiger Gegenwehr einen neuen Termin an. Anwalt Synek und dessen Mandant waren natürlich verärgert. Noch nie habe er in einer Zivilsache bei einem Amtsgericht eine Robe tragen müssen. In Augsburg nicht und schon gar nicht in München. Er betrachtet den richterlichen Verhandlungsabbruch als Arbeitsverweigerung und verlangt im nun beim Landgericht Augsburg gegen den Freistaat Bayern geführten Prozess Schadensersatz für Fahrtkosten und Verdienstausfall in Höhe von € 770,50.

Anwalt Synek samt Mandant fühlten sich wie Schuljungen behandelt. Er sei überhaupt kein Robenrebell, würde seine Robe grundsätzlich bei Strafsachen und bei Landgerichtsterminen tragen. Und bei amtsgerichtlichen Zivilsachen wäre er stets mit Anzug, Hemd und Krawatte angemessen gekleidet.

Der beklagte Freistaat Bayern stellte sich beim gestrigen Landgerichtstermin auf den Standpunkt, dass auch bei Amtsgerichten zumindest in Bayern – insbesondere in Augsburg – das Tragen von Roben gewohnheitsrechtlich begründet sei.

Beide Parteien waren sich ihrer durchgreifenden Standpunkte derart bewusst, dass es zu keiner Einigung kam und man nun eine Entscheidung abwarten muss, die Ende des Monats Juni bekannt gegeben werden soll.

Sind es nur kleine temporäre Unpässlichkeiten, die solche Blüten treiben oder hat das Ganze tiefere Wurzeln? Immerhin wollen Insider wissen, dass Anwälte aus München sich im Augsburger Gericht schon mal gerne nach Gutsherrenart aufführen sollen. Und man will auch wissen, dass sich die Augsburger gar nicht gerne von Münchnern dreinreden lassen.

Gerüchte, nichts als Gerüchte … Es wird auch hier um das eher liebevolle Kappeln zweier Mentalitäten gehen. Warum sollen Augsburger („einverleibte“ Schwaben) und Münchner (Saubayern) nicht genauso frotzelnd übereinander herziehen, wie dies Karlsruher (Gelbfüssler) und Stuttgarter (Sauschwoba) seit Generationen tun?

Unpässlichkeiten, nichts als Unpässlichkeiten …
Regelmäßig zur Sommer(loch)zeit kocht die Deutsche Journaille ihr zwanghaftes Robensüppchen „Robenzwang“. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe.

Hallo liebe Schreiberlinge, nehmt euch doch mal die Polizeiuniform vor oder die des Flugkapitäns oder die Offiziersuniform unterschiedlichster Gattungen. Keine dieser Uniformen ist wertiger und angenehmer zu tragen, wie unsere Robe ELITE.

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