Robe ausziehen, Sie sind kein Anwalt!

Ein Beklagter hatte in seinem Zivilprozess beim Amtsgericht Bautzen eine Anwaltsrobe getragen, weil er sich wohl selbst als Anwalt in eigener Sache sah. Unabhängig dessen, dass es in Zivilsachen vor Amtsgerichten gar keine Robenpflicht gibt, stellte die Richterin fest, dass man als Nichtjurist eine solche Amtstracht überhaupt nicht tragen dürfe. Sie übergab diesen Vorfall der zuständigen Staatsanwaltschaft, die ein Ermittlungsverfahren einleitete.
Das Amtsgericht Bautzen hatte nun am 20.08.2014 per Strafsache zu klären, ob eine Anwaltsrobe eine Amtstracht sei, mit der man keinen Missbrauch treiben dürfe. Zu einer Entscheidung kam es allerdings nicht, weil man sich schließlich einigte, das Verfahren gegen eine Zahlung von € 300,- einzustellen.
Erst behauptete der Angeklagte, er habe gar keine deutsche Anwaltsrobe getragen, sondern eine jüdische schwarze Robe, weil er das eben als Anhänger des Jüdischen Glaubens passend fände. Nachdem die Zivilprozess-Richterin leider nicht mehr genau wusste, welcher Art die Robe war, jüdischer oder deutscher, schlug der Richter vor, die Sitzung zu unterbrechen mit der Auflage, dass der Angeklagte das Corpus Delicti zum Fortsetzungstermin mitzubringen habe. So möglicherweise in Bedrängnis gebracht, war dem Angeklagten dann doch wohl eine Einstellung gegen eine Zahlung von € 300,- lieber.

Nun könnte man ja meinen, dieser „Anwaltsroben-Missbrauch“ sei ein Einzelfall – weit gefehlt. Bereits am 09.05.2013 berichteten wir über einen renitenten Osnabrücker Rechtsanwalt, der als Angeklagter bei seinem Strafprozess in seiner Anwaltsrobe erschien und sich beharrlich weigerte, dem Verlangen des Richters „Robe ausziehen“ zu folgen, er sei schließlich Angeklagter und nicht Verteidiger. Erst nach eine ordentlichen Gerichtsbeschluss, dem eine Beratung zwischen Richter und Schöffen vorausgehen musste, zog der Angeklagte dann seine Robe äußerst widerwillig aus. Das Drumherum finden Sie hier.

Ein gutes Jahr zuvor berichtete das main-netz.de von einem Rechtsanwalt, der als Angeklagter sich in seinem Strafprozess selbst verteidigt hatte und dabei seine Anwaltsrobe trug, die er unter keinen Umständen ausziehen wollte. Erst als der Richter dem angeklagten Rechtsanwalt 600 EURO Ordnungsgeld oder 3 Tage Haft androhte, zog der Angeklagte seine Anwaltsrobe aus und der eigentliche Strafprozess konnte beginnen.

3 Kommentare zu “Robe ausziehen, Sie sind kein Anwalt!

  1. Ich war mich mal vor vielen Jahren, noch Referendar, Verteidiger für einen Freund in einem Strafverfahren vor einem Amtsgericht mit Genehmigung des Richters nach § 138 Abs. 2 StPO. Zu Beginn der Verhandlung hatte ich natürlich keine Robe an. Dies monierte der Richter, auch nach meinem Hinweis, ich sei kein Rechtsanwalt, besitze gar keine Robe und dürfe nach meiner Auffassung wohl auch keine tragen. Sah er anders. Der Verteidiger hat eine Robe zu tragen. So wurde mir dann seitens des Gerichts eine dort verfügbare Anwaltsrobe geliehen.
    Gott sei dank alles verjährt!

    UP

  2. Vermutlich verleiht eine Robe vielen Personen mehr Selbstbewusstsein. Eine Robe überzustreifen ist ein Stück weit das Schlüpfen in eine andere Rolle. Als unwissender Referendar zu Beginn der StA-Station hat mir das wohl auch ein bisschen geholfen, schätze ich. Danke für den interessanten Artikel!

    Gruß, Julian

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